TRAGEN VON SÄUGLINGEN
Felix Stauffer

Sie können Ihrem Säugling das vermitteln, was keine Wiege, kein noch so liebevoll eingerichtetes Kinderzimmer und Bettchen und kein noch so komfortabler Kinderwagen vermitteln können: Geborgenheit, Sicherheit, Wärme, Bewegung, Leben.

Wir haben unsere drei Kinder - mitunter sind sie herausfordernde, eigenständige, spannende Teenagers - sehr viel getragen. Sie waren eingebettet in den Alltag, haben auf unserem Rücken oder auf unseren Hüften mitgesehen, mitgehört, mitgerochen, eben miterlebt wie wir einkauften, kochten, Geschirr und Kleider wuschen, Wäsche aufhängten, zusammenlegten, versorgten, im Garten arbeiteten, schrieben, telefonierten, plauderten, mit Bahn, Bus, Tram oder Schiff unterwegs waren, mit unseren Hunden Feld und Wald durchstreiften; immer waren sie dabei, fühlten sich geborgen dank des Körperkontaktes. Sie schliefen ein, wenn sie müde waren, äugten herum, wenn sie wach waren, ihrem natürlichen Rhythmus folgend.

Als sie grösser wurden, begannen sie sehr deutlich zu signalisieren, wann sie die Welt kriechend, später auf zwei noch unsicheren Beinen erkunden wollten und wann sie wieder zu uns wollten. Wir waren ihre Sicherheitsbasen geworden, von denen aus sie die Welt in vielen kleinen und immer grösser werdenden Schritten zu erobern begannen. Sie taten es mit einer wunderbaren Selbstsicherheit, ohne Angst, angetrieben von viel Neugier. Entgegen der Voraussage kritischer Beobachter unseres Tuns wurden die Kleinen schon bald sehr selbständig.

Für mich als Biologe waren diese Erfahrungen spannend, aber eigentlich nicht erstaunlich. Beobachtungen bei allen Naturvölkern einerseits und an Kindern mit mangelhaftem oder gar fehlendem Kontakt zu Bezugspersonen andererseits, belegen eindrücklich die Bedeutung von Geborgenheit und Sicherheit für den gesamten Entwicklungsprozess der Säuglinge und Kleinkinder.

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